Schadenfreude ist nicht unsere Sache – aber Freude durchaus

Agnes Becker, Sprecherin des Aktionsbündnisses für das Volksbegehren Artenvielfalt, war die Freude anzusehen. Der eloquenten Landwirtin fehlten fast die Worte. So viele Menschen in Bayern haben das Volksbegehren unterstützt, haben signalisiert, dass sich vieles ändern muss, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Und sie haben gezeigt, dass sie vielen Gegenargumenten keinen Glauben mehr schenken, weil sie es besser wissen. Sie wissen,

  • dass Artenschutz und Höfesterben nichts gemein haben, denn in den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 14 000 Höfe in Bayern „gestorben“ – trotz Bauernverband und Artensterben (übrigens die weitaus größte Zahl in Deutschland),
  • dass die Forderungen des Volksbegehrens nicht von realitätsfernen Träumern erdacht, sondern von Landwirten, Wissenschaftlern und Juristen erarbeitet wurden,
  • dass auch private Gärten sich ändern müssen, aber dass sie in Bayern nur etwa 3 Prozent der Fläche ausmachen, gegenüber 44 Prozent landwirtschaftlich genutzter Fläche,
  • dass auch der Flächenfraß eingeschränkt werden muss, man dies aber laut bayerischen Bestimmungen nicht in einem Volksbegehren zusammenfassen kann (ein früheres Volksbegehren zum Flächenverbrauch wurde 2018 vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof nicht zugelassen),
  • dass der Bayerische Bauernverband längst nicht mehr Sprachrohr aller Landwirte ist und mit seiner Emotionalisierung des Volksbegehrens niemandem genutzt hat,
  • dass laut einer aktuellen Studie der Uni Augsburg unsere Lebensmittel viel zu billig sind – und dass „billig“ Vielfalt und bäuerliche Landwirtschaft zerstört,
  • dass die Bauern die Hälfte ihres Einkommens aus Subventionen bestreiten, sie also hochgradig abhängig sind von EU und Steuermitteln,
  • dass unsere mangelnde Bereitschaft, den richtigen Preis für unsere Lebensmittel zu zahlen, Umwelt, Bauern und uns selbst schadet (für das Mästen eines Schweins macht ein Bauer am Ende nur rund 6 Euro Gewinn!),
  • dass es laut einer aktuellen weltweiten Studie bei ungebrochenem „Weiterso“ in 100 Jahren keine Insekten mehr gibt – mit dramatischen Konsequenzen für alle Lebewesen, inklusive uns selbst
  • dass wir alle ab heute jeden Tag etwas beitragen müssen, um das Artensterben aufzuhalten; denn Abwarten ist keine Option.

Wir werden den weiteren Prozess nach dem Volksbegehren, der noch in diesem Jahr in einen Volksentscheid münden könnte,  begleiten, mit Aktionen vor Ort, mit Berichten, Informationen und Wissen, damit die Fake News dieser Welt keine Chance haben.

Erinnern wir uns, was die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall sagte:

 

Für Pessimismus haben wir keine Zeit mehr.

Pressestimmen zum Volksbegehren Artenvielfalt

Das Volksbegehren Artenvielfalt hat ein breites Echo in der Öffentlichtkeit ausgelöst und wird auch in der Presse kontrovers diskutiert. Hier findet ihr eine Auswahl an Zeitungsartikeln, Radio- und Fernsehbeiträgen.

Alle Beiträge zum Volksbegehren Artenvielfalt

Hier findet ihr alle bisher veröffentlichten Beiträge zu unserer Serie "Was wir gewinnen – 14 Stationen zum Volksbegehren" von Eva Rosenkranz.

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  • © Julia Thieme